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Arbeitszeugnis

Bei der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses hat der Arbeitnehmer gegen den Arbeitgeber einen gesetzlichen Anspruch auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses. Auf Verlangen des Arbeitnehmers hat das Arbeitszeugnis neben der Tätigkeitsbeschreibung auch eine Leistungs- und Führungsbeurteilung zu enthalten.

In der Praxis hat sich ein vielschichtiges Sprachsystem ("Zeugnissprache") entwickelt, das für den arbeitsrechtlichen Laien auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite nicht ohne weiteres entschlüsselbar ist. Gerade die in Arbeitszeugnissen verwendete oder versehentlich nicht berücksichtigte Zeugnissprache hat jedoch erhebliche Bedeutung für die Beurteilung eines Bewerbers im Rahmen der ersten schriftlichen Bewerberauswahl für Vorstellungsgespräche bzw. für die Teilnahme am Assessmentcenter. Wenn der Bewerber "Pech hat", führt das von ihm eingereichte Arbeitszeugnis - ohne daß er sich dessen bewußt ist - wegen der im Zeugnis enthaltenen Formulierungen automatisch zur Rücksendung der Bewerbungsunterlagen.

Um derartige negative Folgen möglichst auszuschalten, sollten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei der Zeugniserteilung insbesondere über folgende Gesichtspunkte Klarheit verschaffen:

  1. Soll ein einfaches Arbeitszeugnis (reine Tätigkeitsbeschreibung) oder ein qualifiziertes Arbeitszeugnis erteilt/ verlangt werden?
  2. Welche Formulierungen können im Rahmen der Leistungs- und Führungsbeurteilung verwendet bzw. akzeptiert werden, um ein angemessenes Leistungsbild des Arbeitnehmers wiederzugeben?
  3. Liegen für die vom Arbeitgeber gewählte Beurteilung oder für die vom Arbeitnehmer geforderte Beurteilung beweisbare Umstände vor?
  4. Welche Beurteilungsstufe wäre im Rahmen einer gerichtlichen Auseinandersetzung erreichbar?
  5. Welche Gesichtspunkte sind bei der Erteilung eines Arbeitszeugnisses während eines laufenden Kündigungsrechtsstreits zu beachten?
  6. Welches Risiko besteht, daß sich der Arbeitgeber aufgrund der gewählten Zeugnisformulierung schadensersatzpflichtig macht?